Tag der Sternenkinder I Im Gespräch mit Sternenkind-Eltern
- Isabell Steinert
- 15. Okt. 2020
- 12 Min. Lesezeit
In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Sternenkind-Fotografin engagiere ich mich, um für Eltern, deren Kinder den Weg ins Leben nicht geschafft haben, die ersten und gleichzeitig letzten Erinnerungen mit ihrem Kind festzuhalten.
2015 fotografierte ich während meiner Arbeit im Shiphrah-Geburtshaus auf den Philippinen mein erstes Sternenkind. Noch heute erinnere ich mich daran, wie ich den Raum betrat und für und mit den Eltern ein paar Erinnerungen an ihren kleinen Angelo kreierte. Ich war tief bewegt und mir wurde klar, wie wichtig diese Bilder für Familien sind, die sich viel zu früh von ihren Kindern verabschieden müssen.
Am 15. Oktober ist Tag der Sternenkinder. Auch ich gedenke an diesem Tag und in dieser Woche (Baby Loss Awareness Week) der Kinder, die viel zu früh wieder gehen mussten und bin in Gedanken bei den Familien, in deren Mitte jemand fehlt.
Meine Plattform möchte ich heute nutzen, um den Familien das Wort zu geben. Der Tod - vor allem der frühe Tod von Kindern - ist in unserer Gesellschaft oft ein Tabuthema. Nur selten wird über stille Geburten und Sternenkinder gesprochen. Dabei ist es umso wichtiger darüber zu sprechen, was wir besser machen können, wenn eine Familie ein Kind verloren hat.
Mein Dank gilt den Familien, die ihre Geschichten hier so offen und ehrlich mit uns teilen. Es sind Familien, die ihr Kind vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben - jede mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Lasst uns zuhören.
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Bilder von geliebten Kindern, die den Weg ins Leben nicht geschafft haben.
Gute Reise, kleiner Stern. Ein Abschied in der 16. Schwangerschaftswoche.

Wollt ihr erst mal erzählen, was passiert ist?
Ich trug unser zweites Kind unterm Herzen. Alles schien perfekt. Wir waren gerade in unser neues Haus gezogen, unsere große Tochter Emilia (5 Jahre) hatte einen guten Start in ihrem neuen Kindergarten und bei der letzten Vorsorge ging es auch unserem ungeborenen Kind wunderbar. Wir freuten uns darauf, im Februar ein neues Familienmitglied begrüßen zu dürfen.
Leider hatte ich, genau wie in der ersten Schwangerschaft, sehr stark mit Übelkeit und Erschöpfung zu tun. Der heiße Sommer tat sein Übriges, dass ich mich immer schwächer fühlte und kaum mehr am Alltag teilnehmen konnte. An einem Freitag wurde es so schlimm, ich konnte nicht mal mehr trinken. Da habe ich mich entschieden in eine Klinik zu gehen. Ich war mir sicher, in wenigen Tagen würde es mir besser gehen. Doch es wurde schlechter. Ich hatte Infektionswerte im Blut, bekam Antibiotika und es kam noch eine Blutung dazu. Mit der Diagnose eines retroplazentaren Hämatoms wurde ich nach vier Tagen entlassen.
Die nächsten Tage ging es mir einfach nicht besser. Am 31.08.2020 merkte ich, wie abends mein Bauch regelmäßig hart wurde. Ich legte mich hin, in der Hoffnung, dass es sich beruhigen würde. Nachts um drei wurde ich wach mit erneuten Blutungen und starken Wehen, alle zwei Minuten. Wir fuhren sofort in die Klinik. An der Pforte durfte mein Mann aufgrund der Corona-Bedingungen nicht mit rein. Es war furchtbar.
Die Ärztin schaute nach unserem Kind und zum Glück ging es ihm wunderbar. Es strampelte und sein Herzchen schlug kräftig. Ich wurde stationär aufgenommen und die Wehen beruhigten sich erstmal. Ich war wieder guter Hoffnung. In der kommenden Nacht wurde ich wieder durch starke Wehen wach. Ich versuchte meinen Mann zu erreichen. Die Ärztin schaute erneut nach meinem Kind und es ging ihm weiterhin gut.
Noch während mein Mann auf dem Weg zu mir war, hatte ich jedoch einen Blasensprung und mir wurde klar, unser Kind machte sich gerade auf den Weg. Am 02.09.2020 um 05:08 Uhr habe ich unseren Sohn Moritz Christian in der 16. SSW in meine Hände geboren.
Bilder: Hebamme Sarah Wong-Herrlich / Bildbearbeitung: Isabell Steinert
Was würdet Ihr Euch von anderen Menschen in ihrem Umgang mit verwaisten Eltern wünschen?
Es hat mir unglaublich gutgetan, dass sich viele liebe Menschen immer wieder bei mir gemeldet haben. Wir haben wunderschöne Karten, Gesten und Geschenke bekommen. Das ist wirklich ein Trost.
Es verletzt, wenn sich jemand gar nicht meldet. Es fühlt sich an, als wäre nichts passiert. Ich habe es selbst in meiner Familie erlebt. Ich habe mich oft gefragt, ob manche denken, ein Kind in dieser Woche wäre noch nicht genug Wert oder noch kein richtiger Mensch. Der frühe Verlust eines Kindes ist noch ein absolutes Tabuthema. Vielen fällt der Umgang sehr schwer oder sie sind verunsichert etwas Falsches zu sagen. Immer wieder waren Menschen in meinem Umfeld erleichtert, wenn ich auf sie zugegangen bin. Wenn ich von Moritz erzählt habe, davon, wie es mir geht oder was ich brauche.
Ein Sternenkind ist ein vollwertiger kleiner Mensch und von den betroffenen Familien ein festes Familienmitglied, egal, in welcher Schwangerschaftswoche es sich verabschiedet hat. Hier muss noch ein Umdenken stattfinden. Diese Familien erleben einen echten Verlust, ihr Kind und alle Träume und Hoffnungen, die damit verbunden waren.
Habt Ihr Ratschläge für andere Eltern?
Traut euch zu Trauern. Der Verlust eures Kindes hat die absolute Berechtigung Zeit und Raum einzunehmen. Umgebt euch mit Menschen, die euch gerade guttun.
Traut euch selbstbewusst Entscheidungen zu treffen und auf euer Herz zu hören. Es ist euer Kind. Niemand anderes sollte euch hier etwas vorschreiben. Weder im unmittelbaren Umgang mit eurem Kind, in eurem Trauerweg, der Bestattung oder dem nachfolgenden Kinderwunsch.
Was sollte sich allgemein in Bezug auf dieses Thema ändern?
Es muss sich noch so viel verändern. Es braucht ganz viel Aufklärung, Vernetzung von Institutionen und Vereinen und gutes Informationsmaterial. Umfassende Fortbildungen für Fachpersonal. Es betrifft so viele Menschen und Einrichtungen, bei denen unbedingt ein Umdenken und eine Veränderung alter Strukturen stattfinden darf. Die niedergelassene Frauenärztin, die begleitende Hebamme, Klinikpersonal, Seelsorger, Anästhesie, Pathologie, Bestattungsunternehmen, Krematorien, Friedhofsämter, Gemeinden, Arbeitnehmer*innen, Schulen, Kindergärten, … die Liste ist unendlich.
Für mich ganz persönlich liegen vor allem die Rechte der Eltern am Herzen und das diese sie auch erreichen. Wir haben unseren Moritz eine Woche lang mit nach Hause genommen und konnten so in aller Ruhe Abschied nehmen. Er hat seinen Platz auf einem Friedhof bekommen und wir haben ihn beim Standesamt in unser Familienstammbuch eintragen lassen. So viele betroffene Eltern (und Fachpersonal) wissen nicht, dass das alles möglich ist.
Was bedeuten Euch die Bilder von Moritz? Warum war es Euch wichtig, auch die Trauerfeier begleiten zu lassen?
Auf den Bildern sehe ich nicht ein verstorbenes Kind, sondern mein geliebtes Kind. Die Bilder sind ein ganz wichtiger Teil in der Trauerarbeit und unendlich wertvoll. Wir haben direkt ein Fotobuch machen lassen. Moritz gehört zu unserer Familie und die Fotos lassen ihn bei uns weiterleben. Auch meine Tochter hat ein eigenes Album, welches sie mit großem Stolz zeigt. Es braucht einfach alle Sinne, um zu begreifen was geschehen ist.

Die Trauerfeier war so ein bewegender Tag. Die Tage davor haben wir viele Vorbereitungen getroffen. Mein Mann hat den Sarg selbst gezimmert und ich habe ihn mit Emilia gemeinsam bemalt. Auch den Stein haben wir selbst gestaltet, er ist aus unserem Garten.
Mit meiner Tochter habe ich gebastelt und einen Brief an Moritz geschrieben, den wir bei der Beerdigung vorlasen. Für Emilia war es nicht nur eine Trauerfeier, sie wollte auch Moritz nullten Geburtstag feiern. Also gab es noch einen Geburtstagskuchen und wir sangen „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien…“. Emilia beteiligte sich ganz aktiv an den Vorbereitungen und hat viele Wünsche geäußert. Dass dieser Tag in Bildern festgehalten wurde, ist einfach nur ein Geschenk.
Gibt es noch etwas, das Ihr gerne loswerden möchtet?
Ich selber bin Hebamme und durfte mit unserem Moritz zum ersten Mal Erfahrungen mit der sogenannten Wassermethode machen. Die Kleinen werden hierfür bald nach der Geburt in gekühltes Wasser gelegt. Die Veränderung ist unglaublich und wunderschön. Sie werden ganz rosig, nehmen eine Embryonalhaltung ein und können von den Eltern in aller Ruhe betrachtet und bewundert werden.
Bild rechts: Privat / Bearbeitung: Isabell Steinert
Die Kinder können bis zu einer Woche im Wasser liegen bleiben. Uns hat es eine wundervolle Woche ermöglicht, in der wir Moritz kennenlernen und uns verabschieden konnten. Es war so heilsam zu sehen, welch selbstverständlichen Umgang unsere Tochter mit dem Thema Tod und ihrem kleinen Moritz hatte und weiterhin hat. Immer wieder ist sie zu ihm hin, hat ihn betrachtet und mit ihm gesprochen. Abends hat sie ihm vorgesungen und die Kerzen ausgepustet. Das ist so wertvoll für uns und tief in meinem Herzen gespeichert.
Als Hebamme ist es mir ein großes Anliegen, diese Methode bekannter zu machen. Gerade plane ich mit den Namensgeberinnen Ilona Tiemens-van-Putten und Janet Molewijk-Herbrink aus den Niederlanden eine Informationsbroschüre für betroffene Eltern und Fachpersonal.
"Lebt sie?" - Gespräch mit einer zweifachen Sternenkindmama.

Wollt Ihr erst mal erzählen, was passiert ist?
Ich bin Mutter von vier Kindern. André ist Papa von Lotte und Lilliana. Ich bin Mama von Bastian (er starb in der 20. SSW 2009), Fabian (9 Jahre), Lotte (sie starb bei der Geburt 2018) und Lilli (bald ein Jahr alt).
Bei Bastian erfuhr ich in der 11. SSW, dass "irgendwas" nicht stimmte. Eine Ärzte- und Diagnosenodysee begann. Ich glaube, es gab keine Untersuchung, die ich nicht durchführen ließ, um herauszufinden, was los war. Dass er einen sehr schweren Herzfehler hatte, wurde sehr schnell festgestellt und doch war da noch mehr. In der 19. SSW fuhren wir nach Leverkusen zu einem großartigen Arzt, der mich bzw. meinen Sohn untersuchte und mir ziemlich genau sagen konnte, was er sah und wie gering seine Überlebenschancen mit dieser Diagnose waren. Es fiel uns nicht leicht. Wir entschieden uns für einen Schwangerschaftsabbruch. Am 16.09.2009 habe ich ihn still geboren.
Unsere Lotte war eine verhältnismäßig normale Schwangerschaft. Ich hatte viel Wasser im ganzen Körper eingelagert, was dazu führte, dass ich in den letzten Wochen vor der Geburt von zehn Fingern nur noch vier spürte, die anderen waren taub. Ansonsten war soweit alles unauffällig. Mein zweiter Sohn war ein Notkaiserschnitt, aufgrund dessen auch Lotte am 28.11.2018 per Kaiserschnitt geboren werden sollte.
Am 26.11. (mein Geburtstag) war ich gerade auf dem Weg ins Bad, als mir plötzlich schwarz vor Augen wurde. Nach einer Weile stabilisierte sich mein Zustand und ich traute mich zurück zum Bett zu gehen. Dort lagen auch die Telefone. Nach diversen Anrufen kamen meine Mutter und mein Freund und entschieden, den Krankenwagen zu rufen. Leider schätzten diese meine Situation falsch ein und der Weg ins Krankenhaus dauerte sehr viel länger als normal. Auch in der Klinik selbst wurde ich zuerst in den Kreißsaal gebracht. Wie eine schwangere Frau mit Wehen eben. Die Hebamme dort suchte nach Herztönen und konnte kaum mehr welche finden. Der Weg in den OP war jetzt schnell.
Meine Plazenta hatte sich gelöst und ich hatte in meinen Bauchraum geblutet. Von außen nicht sichtbar, zeigte sich nun, dass ich ca. 2,5 Liter Blut verloren hatte.
30 Minuten lang versuchte ein 6-köpfiges Team, unsere Lotte zurück ins Leben zu holen. Jedoch vergeblich. Weder die Bluttransfusion, noch die Adrenalinspritzen halfen. Durch die fehlende Plazentaversorgung wurde sie nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt und auch das Herz hatte aufgehört zu schlagen.
Mein erster Satz, als ich aus der Vollnarkose aufwachte, war: "Lebt sie?" Erst nach dem dritten Mal fragen, wurde mir meine Frage beantwortet.
Am darauffolgenden Tag, kamen der Chef- und Oberarzt, um uns noch einmal zu erklären, was genau mit unserer Lotte passiert war und was sie alles getan hatten, um ihr Leben zu retten. Leider war es doch nicht genug. Mit Tränen in den Augen, erzählte uns der Arzt, der um Lottes Leben gekämpft hatte, von DEIN STERNENKIND und gab uns ein Prospekt.

Was sollte sich im Umgang mit dem Thema ändern?
Jetzt ist es bald zwei Jahre her, doch fühlt es sich nicht so an. Wenn dein Kind stirbt, dann ist das nicht zu vergleichen. Die Trauer ist auch jetzt noch omnipräsent. Manchmal reicht nur eine Kleinigkeit und die Tränen fließen. Auch knapp zwei Jahre später noch.
Für viele ist das nicht nachzuvollziehen. Am Anfang und auch heute noch wissen viele nicht, was sie sagen sollen. Einige haben sich dann nicht mehr gemeldet - das verletzt. Auch vermeintlich "normale" Fragen wie "Und, wie geht's euch?" (wie soll es uns gehen, unser Kind ist tot) oder "Geht's dir gut?" (äh, nein mein Kind ist tot) haben mich oft getroffen. Ebenso wie das Unverständnis, dass man auch nach zwei Jahren noch immer nicht der Mensch ist, der man einmal war. Es ist schade, dass so viele Menschen kein Bewusstsein dafür haben, wie schmerzhaft es ist, ein Kind zu verlieren.

Was bedeuten Euch die Bilder von Lotte?
Ich bin froh, dass es Menschen wie dich gibt. Menschen, die ihr Privatleben hinten anstellen und in eine so emotionale Situation hineingehen. Menschen, die nicht verletzlicher sein können, als zu dieser Zeit. Aber wenn dir von deinem Kind, außer der Erinnerung, nichts bleibt, kann man nur froh sein über Menschen wie dich.
Wir sind froh, Bilder von unserer Kleinen zu besitzen. Es schmerzt noch immer unendlich diese anzusehen und dennoch sind wir froh, dass wir nicht nur die Bilder von der Hebamme haben. Diese waren wirklich unglaublich lieb gemeint, sind aber nicht vergleichbar.
Als du zu uns ins Zimmer kamst, war es für einen kurzen Moment etwas seltsam. Seltsam, weil der Mensch ja grundsätzlich so gestrickt ist, vor Anderen/Fremden kein Leid zu zeigen.
Du hast mir durch die Ruhe, die du ausstrahlst, aber ganz schnell dieses Gefühl genommen, sodass mein Partner und ich uns voll und ganz auf unsere Tochter konzentrieren konnten und schnell gar nicht mehr wirklich wahrgenommen haben, dass du da warst.

Vor dem Abschied. DEIN STERNENKIND auf der Intensivstation.
Es ist nicht selten, dass wir gerufen werden, wenn klar ist, dass ein Kind demnächst sterben wird, um letzte Bilder mit den Eltern zu machen. So war es auch bei der dritten Familie, die hier ihre Geschichte erzählt.

Wollt Ihr erst mal erzählen, was passiert ist?
Was genau passiert ist, bleibt unklar. Am ehesten hatten wir eine vorzeitige Plazentalösung in der 39. Schwangerschaftswoche, bis dahin war alles in bester Ordnung. Trotz Notkaiserschnitt hatte Felix einen schweren Sauerstoffmangel erlitten und musste nach der Geburt reanimiert werden. Wir durften dann vier Tage mit ihm auf der Intensivstation erleben, wo er beatmet und gekühlt wurde. Nach diesen vier Tagen zeigte sich, dass die Gehirnschädigung durch den Sauerstoffmangel so schwer war, dass er nicht würde leben können. Die Intensivmaßnahmen wurden eingestellt und er ist in unseren Armen gestorben.
Was würdet Ihr Euch von anderen Menschen im Umgang mit verwaisten Eltern wünschen?
Offenheit. Traut euch auf die Betroffenen zuzugehen. Wenn die/der Betroffene nicht darüber sprechen will, akzeptiert das natürlich, aber selbst dann ist es oft erleichternd zu wissen, dass der andere Bescheid weiß und man sich nicht erklären muss. Ich rechne es vielen hoch an, die auf mich zukommen und sagen „Hey, ich habe mitgekriegt, was passiert ist und es tut mir total leid“. Das ermöglicht mir als betroffene Mutter entweder darauf einzugehen oder es dabei zu belassen - je nachdem, was ich in der Situation vorziehe. In jedem Fall erspart es mir die Hürde, es von mir aus anzusprechen. Wir beide finden es als Eltern am schwierigsten, wenn der Tod unseres Kindes ungeklärt „im Raum steht“. Falls ihr in engerem Kontakt mit den Eltern steht: Meldet euch! Fragt nach! Auch wenn erst mal keine Rückmeldung kommt, bleibt dran. Es tut wirklich gut zu wissen, dass andere an einen denken und Anteil nehmen! Und bleibt am Ball. Das hat uns sehr geholfen und hilft uns weiterhin, dass wir viele tolle Menschen um uns haben. Gleiches gilt für die Betroffenen in „zweiter Reihe“, zum Beispiel die Großeltern.
Was verletzt?
Aussagen wie „beim nächsten Mal klappt es bestimmt“, „ihr seid ja noch jung“ und „XY hatte auch mal eine Fehlgeburt“ verletzen, auch wenn sie gut gemeint sein mögen.
Gedankenlosigkeit. Natürlich ist es allerdings schwer bzw. unmöglich, das persönliche Schicksal eines jeden ständig auf dem Schirm zu haben.
Was hilft?
Empathie, das Leid anerkennen, einfach da sein und zuhören wenn jemand darüber reden will. Niemand erwartet die „perfekten“ Worte, die gibt es nicht. „Ich weiß gar nicht was ich sagen soll“ oder „Ohjeh, das muss ich selbst jetzt erst mal verdauen“ ist völlig in Ordnung. Enge Freunde/Familie, die für einen da sind.
Habt Ihr Ratschläge für andere Eltern?
Nehmt jede Hilfe in Anspruch, die ihr kriegen könnt und macht euch keine Gedanken darüber, ob sie euch zusteht - das tut sie.
Tretet in Kontakt mit anderen Betroffenen - am besten Eltern, die eine ähnliche Situation erlebt haben und mit denen ihr euch gut versteht.
Was sollte sich allgemein im Bezug auf das Thema ändern?
Allgemein wäre in unserer Gesellschaft ein offenerer Umgang mit dem Thema Tod wünschenswert. Sterben gehört nun mal zum Leben dazu, auch wenn man das gerne verdrängt. Die Entwicklung geht denke ich in die Richtung, dass der Umgang damit offener wird, beispielsweise durch die Arbeit von Hospiz- und Palliativeinrichtungen, aber im Alltag bleiben solche Themen oft ein Tabu.
Dass es uns als Eltern nach dem Tod unseres Kindes schlecht geht, wird uns - zumindest für einen gewissen Zeitraum - von allen Seiten zugestanden, was sicherlich schon sehr viel Wert ist. Manchmal hat man allerdings das Gefühl, es wird erwartet, dass man sich mit seiner Trauer zurückzieht und erst dann wieder hervorkommt wenn man „stabil" genug ist, damit andere sich mit so einem schmerzhaften Thema nicht auseinandersetzen müssen. Jeder ist gewohnt, vor allem das zu präsentieren, was gut läuft und klappt, der Rest wird oft verschwiegen. Kaum einer ist daran gewöhnt, mit schlechten Nachrichten und Trauer umzugehen, wodurch viele sich unsicher und unwohl dabei fühlen, darüber zu sprechen und die Themen meiden. Die Trauernden erleben dann, dass manche ausweichen und abblocken und bekommen so vermittelt, dass sie ihre Trauer besser für sich behalten sollten. Das kann zu einem Teufelskreis führen, in dem der Tod, und vielleicht noch mal mehr der Tod von Kindern, ein Tabuthema ist, über das nicht gesprochen wird. Uns ging es glücklicherweise bislang selten so und es ist verständlich, dass man schmerzhafte Themen gerne meidet, aber die Betroffenen haben es sich schließlich auch nicht ausgesucht und keine Wahl. Natürlich will man nicht mit jedem immer und überall über so etwas intimes wie den Tod des eigenen Kindes sprechen - in der Regel will man das nicht. Aber schön wäre es, wenn man nie das Gefühl haben müsste, jemand anderem mit seiner Situation lästig oder unangenehm zu sein.
Was bedeuten Euch die Bilder von Felix?
Unendlich viel! Wir haben selbst eine ganz gute Kamera, die unsere Familien uns in die Klinik gebracht haben und mit der wir auch viele Bilder von Felix und uns gemacht haben. Aber die Bilder von Isabell sind einfach nochmal ganz anders. Sie zeigen nochmal einen anderen Blickwinkel, den Blick von jemand anderem auf unser Kind und uns als Familie. Außerdem sind es die schönsten Bilder, die es von uns drei zusammen gibt.
Ich war zunächst skeptisch, jemand Fremden in diese intime Situation zu lassen - vor allem in dem Wissen, dass unsere gemeinsame Zeit mit Felix sehr endlich und kurz ist. Mein Mann war da offener und ich bin sehr froh, dass wir es gemacht haben! Isabell war so zurückhaltend, dass wir sie in keinster Weise als störend empfunden haben - und für die Bilder sind wir ihr und den Sternenkinderfotografen allgemein wirklich unglaublich dankbar!
Informationen dazu, wie Ihr eine*n Sternenkindfotograf*in anfordern könnt, erhaltet Ihr hier.
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